Ham Helsing im Test
16 oktober 2026

Ham Helsing im Test
Fireside Games | 1 bis 4 Personen | 10+ | 60 bis 90 Minuten
In Ham Helsing schlüpfst du in die Rolle eines der Helden (Ham Helsing, Ronin, Lobos oder Malcolm) aus dem gleichnamigen Comic, auf dem das Spiel basiert. Gemeinsam stellt ihr euch dem Bösewicht, um Mud Canyon, euer geliebtes Dorf, vor dem Untergang zu bewahren. Der Bösewicht kommt aber nicht allein: Er hat seine Minions mitgebracht, die ihn im Kampf unterstützen und euch schwächen oder vielleicht sogar vorzeitig ausschalten sollen.
Wer hält bis zum Ende durch und geht als Sieger hervor?
Das Spiel

In fünf Runden versucht ihr, den Bösewicht zu besiegen. Das Spiel besteht aus einem gemeinsamen Spielplan, der in verschiedene Orte aufgeteilt ist. Ganz links liegt Mud Canyon, der Startort der Helden, ganz rechts der des Bösewichts. Über diese Orte ziehen die Helden und der Bösewicht über den Spielplan, und auch die Minions breiten sich dort aus. Außerdem gibt es den Marktplan, auch Rat Market genannt, auf dem du in der Marktphase Upgrades für deine Karten kaufen kannst.
Zu Beginn wählt jeder Spieler einen Helden. Jeder Held hat ein Grunddeck und eine asymmetrische Sonderfähigkeit. Spielst du mit Ham, trägst du das Wooden Katana of the Death (+4 Schaden, das nimmt man doch gern mit). Danach wählt ihr einen Bösewicht, gegen den ihr kämpft. Es gibt vier verschiedene Bösewichte mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Dann werden die ersten Minions aufgestellt, alle ziehen vier Handkarten und das Spiel beginnt.


Ein Spielerzug besteht aus sechs aufeinanderfolgenden Phasen: 1. Karten ausspielen, 2. Skills, Geld und Schaden erhalten, 3. Handkarten auffüllen, 4. Minions ausbreiten, 5. Ortslimit prüfen und 6. Schaden durch Minions erhalten.
In Phase 1 kannst du Karten aus deiner Hand ausspielen. Auf den Karten stehen verschiedene Symbole und Sonderfähigkeiten. Damit kannst du deinen Helden über den Spielplan bewegen, angreifen, eine zusätzliche Karte ziehen und noch vieles mehr.
Besiege Minions, um deine Skills zu verbessern und Geld zu verdienen. Aber Vorsicht, manche beißen zurück! Minions haben eine oder zwei Farben (Blau, Gelb, Lila oder Rot) und sind entweder friedlich oder angriffslustig (beißend). Um einen Minion zu besiegen, musst du für jede seiner Farben ein Schwert in derselben Farbe ausspielen. Hast du den Minion besiegt, nimmst du ihn vom Plan. Hast du alle Aktionen genutzt oder willst du keine mehr ausführen, legst du deine gespielten Karten ab und gehst zu Phase 2 über. In dieser Phase bekommst du Skills und Geld für die besiegten Minions. Für jede Farbe eines besiegten Minions erhältst du Skills in dieser Farbe und dazu Geld. Du hast einen beißenden Minion besiegt? Autsch, dann verlierst du pro Farbe auf dem Minion einen Health Point. In Phase 3 füllst du deine Hand wieder auf vier Karten auf.
Leider breitet sich das Böse weiter aus, denn in Phase 4 kommt auf jeden Ort neben dem deines Helden ein neuer Minion. Jeder Ort kann nur eine bestimmte Anzahl Minions aufnehmen. Wird das Limit überschritten, geht der Ort verloren und wird zum Nest (Phase 5). Du kannst diese Orte zwar weiterhin nutzen, verlierst dabei aber jedes Mal einen Health Point. Das ist ärgerlich, denn die sind kostbar. Beendest du deinen Zug auf einem Ort mit einem beißenden Minion, verlierst du ebenfalls einen Health Point.

Wenn der letzte Spieler dran war, wird es Zeit, das Sparschwein umzudrehen und das hart erkämpfte Geld auszugeben. Das geht im Rat Market, wo du Upgrades für deine Karten kaufen kannst. Und hier zeigt sich das Besondere an diesem Spiel: Deck-Crafting. Du verbesserst dein Grunddeck – wie cool ist das denn! Du startest nämlich mit einem Grunddeck, mit dem du noch nicht besonders viel anfangen kannst. Das Upgraden der Karten ist ein zentraler Teil des Spiels, denn nur so wirst du stark genug, um den Bösewicht zu besiegen, der dich und Mud Canyon zu vernichten droht.

Neben möglichst vielen Schwertern gibt es auch Upgrades, mit denen du eine zusätzliche Karte ziehst, deinen Mitspielern einen Vorteil verschaffst oder Knuckles herbeirufst. Du kannst so viele Upgrades kaufen, wie du dir leisten kannst, und das Schöne ist: Sie kommen direkt auf die Karten, die du gerade auf der Hand hast. Du kannst sie also sofort nutzen! Die Upgrade-Karten sind durchsichtig und werden in die Hüllen deiner bisherigen Karten geschoben. So werden deine Karten immer stärker und du bist bereit, den Bösewicht anzugreifen und (hoffentlich) zu besiegen. Und ja! Die Helden haben noch einen Helfer: Knuckles the Mercenary Bear. Er unterstützt euch im Kampf gegen die anrückenden Minions, denn wenn sie vor etwas Angst haben, dann vor Knuckles.



Dann ist der Bösewicht an der Reihe, der sich langsam auf Mud Canyon zubewegt. Jede Runde zieht ihr eine Karte, die anzeigt, was der Bösewicht tut. Nachdem er sich bewegt hat, rücken die Minions auf die Helden zu. Dann setzt der Bösewicht seine Sonderfähigkeit ein, und du verlierst dadurch zum Beispiel Health oder Skills. Je mehr Nester auf dem Plan liegen, desto mehr Sonderfähigkeiten stehen dem Bösewicht zur Verfügung. Alles erledigt? Nach dieser Phase sind wieder die Spieler am Zug, und ihr habt (wieder) eine Runde weniger Zeit, den Bösewicht zu besiegen. Bist du bereit, Mud Canyon vor dem Bösen zu retten?

Unser Eindruck
Ham Helsing sieht richtig cool aus. Das Artwork ist schön, die Spielertableaus sind zweilagig (Dual-Layer) und die Acryl-Aufsteller sind eine wirklich nette Ergänzung. Das Deck-Crafting macht viel Spaß. Wenn du Upgrades kaufst, wird dein Deck immer stärker und du kannst tolle Kombos bauen (die brauchst du auch wirklich, um den Bösewicht zu besiegen). Besonders schön ist, dass du die Upgrades schon in deinem nächsten Zug nutzen kannst. Die asymmetrischen Fähigkeiten der Helden und ihre eigenen Decks kommen im Spiel allerdings nicht so stark zur Geltung, vor allem je weiter die Karten aufgewertet sind.

Chaos beschreibt Ham Helsing außerdem ziemlich gut. Auf dem Spielplan passiert viel und du musst ständig Symbole, Effekte und Aktionen im Blick behalten. Dabei kann einem schon mal der Überblick verloren gehen, vor allem später im Spiel, wenn die Karten mehr Symbole tragen. Spielst du es öfter, merkst du, dass die Abwechslung etwas begrenzt ist, auch wenn jeder Bösewicht eine leicht andere Taktik verlangt. Dafür eignet sich das Spiel sehr gut für alle, die noch nicht viel Erfahrung mit Deckbau haben, denn die Entscheidungen in deinem Zug sind übersichtlich und nicht allzu kompliziert. Ham Helsing lässt sich auch solo spielen. Du spielst dann mit zwei Helden, was durchaus Spaß macht. Dadurch bleibt das Spiel größtenteils so wie im Mehrspielermodus. Ham Helsing ist vor allem ein schönes Spiel für alle, die gemeinsam ein abenteuerliches, chaotisches Spiel erleben möchten.
Let’s go solo

Oder doch nicht ganz? Im Solomodus spielst du mit zwei Helden, ganz allein stehst du also zum Glück nicht da. Du wählst zwei Charaktere und mischst ihre Karten zu einem gemeinsamen Deck. Anders als im Mehrspielermodus ziehst du fünf statt vier Karten. Ansonsten läuft das Spiel genauso ab wie mit mehreren. Jeder Held sammelt seine eigenen Skills und sein eigenes Geld. Aber, höre ich dich denken: Wie läuft das, wenn du eine Karte spielst, mit der du einem anderen Charakter einen Vorteil verschaffst, zum Beispiel eine zusätzliche Karte ziehen? In diesem Fall ziehst du eine zusätzliche Karte für deine aktuelle Hand. Das nimmt man gern mit. Kannst du einem anderen Charakter zum Beispiel Geld geben, geht es an den gerade nicht aktiven Helden.
