Ayar: Children of the Sun – Rezension
16 oktober 2026

Ayar: Children of the Sun – Rezension
Osprey Games | 1 bis 4 Personen | ab 14 Jahren | 60 bis 90 Minuten

In diesem mittelschweren Eurospiel von Osprey Games taucht ihr in den Ursprungsmythos der Inka ein. Jeder Spieler verkörpert einen der ersten Clans von Tawantinsuyu, der gemeinsam mit den Ayar-Geschwistern auf Reisen geht. Gesandt wurden sie von Inti, dem Sonnengott, und Mama Quilla, der Mondgöttin. Unterwegs folgt ihr ihren Lehren und entwickelt Fertigkeiten in Landwirtschaft, Töpferei, Weberei und im Bündeln von Schilf.
Nachdem der zentrale Spielplan und die persönlichen Spielertableaus aufgebaut sind, wird über vier Runden gespielt. Jede Runde besteht aus einer Tag- und einer Nachtphase. In der Tagphase setzt ihr reihum einen eurer verbliebenen Schrittmarker auf ein freies Feld neben eurem Tambo-Raster. Danach bewegt ihr den passenden Ayar über den Pfad in derselben Farbe. Anschließend wählt ihr ein Tambo, legt es auf einen freien Bauplatz hinter dem eben bewegten Ayar und führt die zugehörige Aktion aus.


Beim Töpfern sammelt ihr Gefäße vom Seetableau. Das Weben bringt Textilien, die in den Webbereich eures Tableaus wandern. Im Terrassenfeldbau pflanzt ihr Mais in euren Ackerbereich. Beim Schilfbündeln fahrt ihr mit eurem Boot über die Wege auf dem See und legt unterwegs Inseln aus. All diese Tätigkeiten decken Sonnen auf, die eure Inti-Verehrung steigern und euch bessere Chancen geben, mit dem Mond zu punkten.
Am Ende eines Zuges prüft ihr, ob ihr die Bedingungen erfüllt, um Tempel auf bestimmten Feldern des zentralen Spielplans zu errichten. Diese Tempel bringen zusätzliche Mondpunkte, sobald sich ein Ayar zurückzieht. Außerdem gibt es persönliche Boni für leer geräumte Reihen oder Spalten, und ihr erhaltet Inti-Verehrung, wenn Ayars die Raymi-Plättchen erreichen.
Sind alle Schrittmarker gesetzt, beginnt die Nachtphase. Der Ayar, der den kürzesten Weg zurückgelegt hat, zieht sich zurück, Mais wird geerntet und das Ayar-Paar wird wieder vereint. So könnt ihr zuvor errichtete Tempel für zusätzliche Mondpunkte werten. Danach wertet ihr euren zugehörigen Schrittmarker, bekommt Sonnenpunkte entsprechend eurer Inti-Scheibe und bereitet euch auf die nächste Runde vor. Nach vier Runden verteilt ihr eure gesammelten Lamas auf Sonnen- und Mondmarker, um euer Endergebnis zu optimieren. Es gewinnt, wessen schwächerer Marker höher steht als der aller anderen.

Eindruck
Weil dieses Spiel Teil einer Trilogie ist, waren meine Erwartungen hoch – und sie wurden erfüllt. Am meisten beeindruckt hat mich das Thema. Die Geschichte trägt das Gameplay spürbar und zieht euch mit wunderschön gestaltetem Material und Tätigkeiten, die sich wirklich mit dem Setting verbunden anfühlen, ins Spiel hinein. Viele Eurogames haben thematische Elemente, aber hier wirkt die Geschichte echt eingebunden und entfaltet sich ganz natürlich im Laufe der Partie.

Was ich außerdem schätze: Abgesehen von den Spielerhilfen gibt es keine Karten. Karten sind in Eurogames weit verbreitet und funktionieren meist gut, aber weil dieses Spiel auf robustes Material setzt, entsteht ein erfrischend haptisches Spielerlebnis.
Auch wenn das Spiel klar in die mittelschwere Kategorie gehört und etwas Einarbeitung braucht, fand ich es weniger überwältigend als vergleichbare Titel. Das liegt vor allem an der klaren Ikonografie und dem logischen Aufbau. Die Spielregel ist besonders gelungen und bietet hilfreiche Beispiele, ohne unnötig kompliziert zu werden.


Eine weitere Stärke ist das Wertungssystem. Ihr müsst zwei getrennte Wertungsleisten im Gleichgewicht halten, denn über das Endergebnis entscheidet der Marker, der zurückliegt. Dieser starke Mechanismus belohnt sorgfältige Planung statt Optimierung auf nur einer Leiste. Mit vier Haupttätigkeiten, die unterschiedliche Strategien eröffnen, bietet das Spiel viel Wiederspielwert. Der hervorragende Solomodus legt da noch eine Schippe drauf.


Der einzige echte Nachteil ist der lange Aufbau. Auf jedem Spielertableau muss vor der Partie viel Material bereitgelegt werden. Davon abgesehen ist das ein wunderschön gestaltetes Spiel, das mit wenigen wie mit vielen Personen gut funktioniert und dabei ein reiches thematisches Erlebnis bietet.
